Jungfrau
Höhe: 4.158 m // Region: Berner Alpen // Land: Schweiz // Erstbesteigung: 3. August 1811
Die Jungfrau bildet zusammen mit Eiger und Mönch (4.107 m) das weltberühmte Dreigestirn an der Grenze zwischen dem Berner Oberland und dem Wallis. Von den insgesamt 48 Schweizer Gipfeln, die höher als 4.000 Meter sind, war sie der erste, der überhaupt bestiegen wurde. Bereits 1811 erreichten Johann Rudolf Meyer, sein Bruder Hieronymus zusammen mit zwei Walliser Gemsjägern den höchsten Punkt. Touristen und Bergsteiger gelangen seit 1912 bequem mit der Jungfraubahn zunächst von Grindelwald auf die Kleine Scheidegg und von dort aus auf das 3.454 Meter über dem Meer gelegene Jungfraujoch. Ursprünglich sollte die Zahnradbahn sogar noch weiter bis direkt auf den Gipfel der Jungfrau fahren. Der Ausbruch des 1. Weltkriegs vereitelte dieses Vorhaben jedoch. Von der 9,34 km langen Strecke führen sieben Kilometer ab der Station Eigergletscher durch den von 1896 bis 1912 erbauten Tunnel. In diesem befindet sich auch das legendäre Stollenloch, über das 1936 erfolglos versucht wurde, Bergsteiger nach einem fehlgeschlagenen Versuch einer Besteigung und mehreren Tagen aus der Eiger-Nordwand zu retten. Die Tragödie, bei der zwei Seilschaften ums Leben kamen, zählt zu den bekanntesten der Alpingeschichte. Zwei Jahre später gelang einer Viererseilschaft mit Anderl Heckmair, Heinrich Harrer, Ludwig Vörg und Fritz Kasparek dann die Erstbegehung der berüchtigten Eiger-Nordwand. Jungfraujoch und Jungfraubahn werden heute sehr erfolgreich international touristisch vermarktet – insbesondere auch im im asiatischen Raum - und warten mit zahlreichen Superlativen auf: der längste Alpen-Gletscher (Aletschgletscher, 23 km), das UNESCO-Welterbe „Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch“, das höchstgelegene Postbüro Europas und der höchstgelegene Bahnhof Europas, der daher als „Top of Europe“ bezeichnet wird. Das gilt allerdings auch für die Ticketpreise dorthin – je nach Tageszeit zahlen die jährlich mehr als 1 Million Fahrgäste über 200 Schweizer Franken pro Person für die Auf- und Abfahrt. Während die meisten Touristen die lediglich von der Aussichtsplattform einen Blick auf die hochalpine Welt aus Eis, Schnee und Fels werfen, steigen die Gipfelaspiranten für den Normalweg meistens für eine Übernachtung zur Mönchsjochhütte auf. Auch auf der leichtesten Route sind bei der Besteigung einige Kletterpassagen zu bewältigen. Aufgrund der guten Erschließung trauen sich jedoch auch immer wieder technisch wenig versierte und schlecht akklimatisierte Bergsteiger die Jungfrau-Besteigung zu, was zu einer beachtlichen Unfallstatistik führt. Gefährlich kann der Normalweg aber auch für routinierte Bergsteiger sein: Am 12. Juli 2007 kam zu einem der bisher schwersten Unfälle der gesamten Besteigungsgeschichte. An diesem Tag stürzten sechs Alpinisten der Gebirgsspezialisten-Rekrutenschule Andermatt auf der Jungfrau in den Tod, nachdem sie eine Lawine ausgelöst hatten.