Liskamm

Höhe: 4.527 m (Ostgipfel) und 4.479 m (Westgipfel) // Region: Walliser Alpen // Land: Schweiz // Erstbesteigung:   


Der Liskamm hat einen messerscharfen Grad mit gleich zwei eigenständigen Gipfeln: Den höheren Ostgipfel und den circa einen Kilometer entfernten und etwas niedrigeren Westgipfel. Der Berg belegt damit die Plätze 8 und 11 der höchsten Alpengipfel und stellt eines der eindrücklichsten Massive im gesamten Alpenraum dar. Es beeindruckt sowohl durch seine reine Höhe - das nahgelegene Matterhorn wird mit 50 Meter überragt - als auch durch die noch immer starke Vergletscherung. Über dem spaltenreichen Grenzgletscher erhebt sich im Nordosten die etwa 750 Meter hohe, mit Eis und Fels durchsetzte Nordost-Wand. Die Nordwand des Liskamm gilt als besonders gefährdet für Eisschlag, sodass zahlreiche große Eisrouten heute nur noch selten unternommen werden. Der fast fünf Kilometer lange Grenzkamm westlich der Monte-Rosa-Gruppe liegt direkt zwischen dem Kanton Wallis und der italienischen Region Aostatal. Der Grad ist stark ausgesetzt und fällt beidseitig sehr steil knapp tausend Meter ab. Erstmals wurde der Ostgipfel am 19. August 1861 durch sechs Schweizer Bergführer und acht englische Touristen über den Südostgrat bestiegen. Drei Jahre später glückte die Überschreitung von Westen nach Osten. Der Berg ist ein großartiger Viertausender für Fortgeschrittene und seine Überschreitung gilt als eine der schönsten Westalpentouren. Der Liskamm ist aber leider auch sehr tückisch und trägt daher seit langem den Beinamen „Menschenfresser“. Mehrere schlimme Unfälle bei der Traversierung verhalfen ihm zu dieser nicht gerade schmeichelhaften Bezeichnung. Der Grat ist oftmals stark verweht und verwechtet. Im 19. Jahrhundert hatten die Bergsteiger noch mangelnde Kenntnis über die Gefahr von Wechten. Viel zu große Seilschaften liefen über die Schneeablagerungen an Kämmen und Geländekanten, die dann unter deren Gewicht abbrachen und die Bergsteiger mit in die Tiefe rissen. Die vielen Tragödien schrieb das abergläubische Volk den dunklen Kräften des Liskamms zu. Früher trug der Berg noch Namen wie Monte Rosa, Monte Rosa Gipfel und kleine Monte Rosa. Erst in den 1940er-Jahren konnte sich die Bezeichnung Liskamm durchsetzen. Diese stammt von dem Fluss Lys, der auf der italienischen Seite den Gletscherarmen des Berges entspringt, ab. Aufgrund der Länge der Tour wird bei Einbruch von Nebel und schlechtem Wetter die Orientierung auf dem weitläufigen Terrain schwierig. Für die erfolgreiche Besteigung ist daher eine tadellose Seilführung, eine lückenlose Beherrschung der Orientierungshilfen sowie eine sehr gute Kondition und Technik eine wichtige Grundvoraussetzung. Wer damit keine Schwierigkeiten hat wird bei guten Wetterbedingungen mit einem gewaltigen Gipfelblick auf die Gipfel des Monte-Rosa-Massivs sowie die Viertausender rund um Zermatt und Saas-Fee belohnt.