Signalkuppe
Höhe: 4.554 m // Region: Monte-Rosa-Gruppe // Land: Schweiz // Erstbesteigung: 9. August 1842
Die 4.554 Meter hohe Signalkuppe liegt im östlichen Walliser Grenzkamm an der Landesgrenze der Schweiz zu Italien. Ihr italienischer Name lautet Punta Gnifetti, benannt nach dem Erstbesteiger Giovanni Gnifetti im Jahre 1842. Auf ihrer Südseite fällt der Blick über die 3.000 Meter hohe Südwand des Monte Rosa-Massivs auf die Poebene, in der bei klaren Nächten Mailand und Turin aufleuchten. Im Rücken des Bergsteiger reicht der Ausblick vom Bernina-Massiv im Osten über die Zentralalpen und Berner Alpen im Norden, die Walliser Alpen und den Mont Blanc im Westen bis zu den ligurischen Alpen. Auf dem Gipfel thront die Schutzhütte „Capanna Regina Margherita“, das höchstgelegene Gebäude Europas, benannt nach der italienischen Königin Margherita, die 1893 hier nächtigte. Heute kann man neben der wunderschönen Aussicht an manchen Tagen sogar eine echte italienische Pizza genießen. Kurz nach ihrer Einweihung wurde dort ein höhenmedizinisches Labor eingerichtet. Bereits vor über hundert Jahren beschrieben Ärzte erstmals medizinisch detailliert die Höhenkrankheit. Ihr erstes Experiment war, dass eine Gruppe von Alpinisten ohne Akklimatisierung auf die Signalkuppe steigen sollte. Der 22-jähriger Soldat Pietro Ramella meistert die Strecke mit 20 Kilo Brot im Rucksack in 48 Stunden. Müde und etwas blau im Gesicht kam er an und litt bald unter Kopfweh und Übelkeit. Es folgten Fieber, Husten, unregelmäßiger Atmung, schnellem Puls und Blutspucken. Die Ärzte behandeln ihn daraufhin mit warmem Marsalawein, Kokain und Eigelb in Rotwein – trotz oder Dank dieser Behandlung kam er wieder zu Kräften. Seit einiger Zeit können Höhenmediziner den Ursachen der „Acute mountain sickness“ (AMS) und ihrer schwereren Form, dem Lungenödem „High-Altitude Pulmonary Edema“ (HAPE), auf den Grund gehen. Leitsymptome der Bergkrankheit sind Kopfschmerz und Müdigkeit, Schwindel, Schwäche, Übelkeit mit Appetitlosigkeit, erhöhter Ruhepuls sowie verminderter Harndrang. Bei sehr schnellem Aufstieg kann sich sogar ein Höhenhirnödem „High Altitude Cerebral Edema“ (HACE) entwickeln, eine weitere lebensbedrohliche Form der Höhenkrankheit. Es führt zu Gleichgewichts-, Koordinations- sowie Denkstörungen. Erfolgt kein rascher Abstieg, droht im schlimmsten Fall der Tod. Fünfzig Prozent der Bergsteiger, die innerhalb von zwei Tagen zur Margherita-Hütte aufsteigen, leiden an mehr als drei Symptomen von AMS, und fünf bis zehn Prozent erkranken an einem Höhenlungenödem. In einer neueren Studie der Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ging es auf der Signalkuppe 30 Prozent der Probanden schlecht - unabhängig davon, ob sie sportlich sind, welches Alter sie haben oder ob es ein Mann oder eine Frau ist - für die Höhenkrankheit ist im Wesentlichen die genetische Disposition und Aufstiegsgeschwindigkeit maßgeblich.